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Nomenklatur von SD-Speicherkarten erklärt

Wer sich selten oder erstmalig näher mit dem Kauf einer neuen SD-Speicherkarte beschäftigt, sieht sich mit einer großen Anzahl diverser Zahlen und Buchstaben konfrontiert. Was auf dem ersten Blick nach Chaos aussieht, hat jedoch System und ist deutlich einfacher, wenn man sich aufs Wesentliche konzentriert.

Die Speicherkapazität – SD, SDHC, SDXC und SDUC

Heutzutage fast nur noch informativen Charakter haben die vier Kürzel, die SD-Speicherkarten in verschiedene Größenkategorien unterteilen. Denn: Praktisch jedes moderne Endgerät, egal ob Kamera, Smartphone, Tablet oder Kartenleser, kann mit allen derzeit erhältlichen Größen (bis 512 GB, Stand 2019) umgehen.

KürzelSDSDHCSDXCSDUC
Name Secure Digital Standard Capacity Secure Digital High Capacity Secure Digital eXtended Capacity Secure Digital Ultra Capacity
Speicherkapazität Bis 2 GB 4 GB bis 32 GB 48 GB bis 2 TB 2 TB bis 128 TB
Dateisystem FAT FAT32 exFAT

Neue Größenstandards sind grundlegend abwärts-, aber nicht aufwärtskompatibel. Das heißt: Eine Kamera, auf die ein SDXC-Logo gedruckt ist, kann immer auch mit SD- und SDHC-Karten umgehen, wird in Zukunft jedoch (höchstwahrscheinlich) keine SDUC-Karten akzeptieren. Da sich SDXC und SDUC das gleiche Dateisystem teilen, sind zumindest theoretisch Software-Updates denkbar.

TL;DR: Derzeit de facto egal, da fast alle Kameras und Smartphones mit allen derzeit gebräuchlichen Speicherkapazitäten umgehen können.

Der Formfaktor – microSD, miniSD und SD

microSD-, SD-, XQD- und CompactFlash-Speicherkarten (v.l.n.r.)

Heutzutage gibt es nur noch zwei gebräuchliche Formfaktoren: microSD- für Smartphone, Tablets und über all sonst, wo Platz Mangelware ist sowie SD-Karten im Standardformat. Abseits der Größe und Pin-Anordnung auf der Rückseite gibt es keine Unterschiede. Über simple Adapter lassen sich microSD-Karten auch in Geräten mit normalem SD-Karten-Fach nutzen.

Bus-Systeme – HS, UHS und SD Express

Natürlich muss auch der SD-Standard mit der technischen Entwicklung schritthalten – und die hat seit der ersten SD-Karte mit wenigen Megabyte im Jahr 2001 große Sprünge gemacht. Auch darf es keine Stunden dauern, bis bald erscheinende Karten mit über einem Terabyte Speicherplatz ausgelesen sind.

Zu Beginn waren Übertragungsraten von maximal 12,5 MB/s möglich. Angesichts von damals 8 bis 16 Megabyte Speicherkapazität theoretisch schnell genug, um die Speicherkarte in gut einer Sekunde auszulesen. Der neuste Standard erreicht hingegen Geschwindigkeiten von beinahe einem Gigabyte pro Sekunde.

SchnittstelleSpeicherkapazitätMax. GeschwindigkeitLogo
Normal Speed SD, SDHC, SDXC, SDUC 12,5 MB/s (SDR12) -
HS (High Speed) SD, SDHC, SDXC, SDUC 25 MB/s (SDR25) -
UHS-I (Ultra High Speed) SDHC, SDXC, SDUC 104 MB/s (SDR104) I
UHS-II SDHC, SDXC, SDUC 312 MB/s (HD312) II
UHS-III SDHC, SDXC, SDUC 624 MB/s (FD624) III
SD Express SDHC, SDXC, SDUC 985 MB/s (NVMe) SDexpress

Geschwindigkeitsklassen – Class 2 bis V90

Kommen wir abschließend zum wahrscheinlich häufigsten Irrglauben und auch umfangreichsten Thema rund um das Thema (SD-)Speicherkarten: Geschwindigkeitsklassen. Um direkt mit dem größten Missverständnis aufzuräumen, folgend ein Zitat der SD Association, dem Herstellerverband hinter dem SD-Karten-Standard:

“Speed Class designates minimum writing performance to record video.”

Auf Deutsch: Die Geschwindigkeitsklassen definieren die minimale Schreibgeschwindigkeit für Videoaufnahmen. Die Angabe ist sinnvoll, da im Gegensatz zu Fotos bei Videoaufnahmen konstant Daten anfallen und die Aufnahme nicht abbrechen soll. Die Geschwindigkeitsklassen garantieren, dass eine Karte mindestens mit Geschwindigkeit X beschrieben werden kann, bis die Karte (beinahe) gefüllt ist. Die maximal mögliche Schreibgeschwindigkeit ist hingegen nicht gemeint.

Leider gibt es mittlerweile drei verschiedene Geschwindigkeitsklassen, die aber zum Glück langfristig durch die neueste Angabe (V-System) abgelöst werden können.

Warum überhaupt mehrere Systeme? Die Einführung vom UHS-Bus (siehe letztes Kapitel) stellte einen großen Umbruch dar. Folglich war das alte C-System (z.B. Class 10) für den Betrieb mit dem alten High-Speed-Bus vorgesehen und das U-System (U1) ausschließlich im UHS-Betrieb. 

Ein Modell mit der Kombination „Class 10 + U3“ ermöglicht Videoaufnahmen mit maximal 10 MB/s in einer Kamera mit HS-Bus und 30 MB/s in einer Kamera mit UHS-Bus. Viel zu kompliziert, oder? Das hat man wohl auch bei der SD Association eingesehen und mit dem V-System einiges vereinfacht.

So muss zum Beispiel eine moderne High-End-Karte mit der Klasse V90 (minimal 90 MB/s) in Kameras mit UHS-II/III mindestens 90 MB/s schreiben, in Kameras mit UHS-I-Unterstützung mindestens 30 MB/s (U3-Niveau) und in alten Kameras mit HS-Bus mindestens 10 MB/s (Class-10-Niveau). So ist auch in älteren Kameras die jeweils höchste Geschwindigkeit automatisch inbegriffen. Eine Einsteigerkarte mit der Klasse V10 muss hingegen in allen Systemen minimal 10 MB/s erreichen.

Der einzige Haken an der schönen neuen V-Class-Welt: Dies Vereinfachung gilt nur für neue Aufnahmegeräte, die mit dem zugehörigen Video Speed Class-Protokoll arbeiten. Immerhin ist das neue System verpflichtend für neue Kameras und in absehbarer Zeit die einzig relevante Angabe.